Stiftung Hospital zum Heiligen Geist

Krisenbewältigung im Job und Alltag – Resilienz: Wie Sie die eigene Widerstandsfähigkeit stärken

Nein, in diesem Artikel wird nicht erklärt, wie Sie Ihr Immunsystem aufbauen und sich somit gegen die nächste Grippewelle wappnen können. Stattdessen geht es um das, was derzeit in Gesundheits-, Wissenschafts- und Frauenmagazinen, aber auch diversen Ratgeberbüchern diskutiert und beschrieben wird: Resilienz. Sehr anschaulich ist hier die Definition aus der Materialwissenschaft, wo Resilienz definiert ist als die Fähigkeit eines Materials, nach einer elastischen Verformung in den Ausgangszustand zurückzukehren. Aus psychologischer Sicht geht es bei Resilienz um die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen bis hin zu Krisen zu bewältigen und im Idealfall sogar gestärkt aus ihnen hervorzugehen.

von Judith Witzick

Misserfolge, Rückschläge und Krisen lassen sich nicht vermeiden und manchmal schaffen sie es, einem den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Warum sind nun aber einige Menschen wahre Stehaufmännchen, getreu dem Motto „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen“? Andere wiederum werden durch banalste Ereignisse nachhaltig aus der Bahn geworfen. Ist es Veranlagung? Erziehung? Oder das soziale Umfeld
und die Rollenvorbilder? Und vor allem: Wie kann man die eigene innere Stärke trainieren?

Bereits in den 1950er Jahren gab es die ersten Studien zum Thema Resilienz. Die Resilienzforschung unterscheidet zwischen inneren und äußeren Schutzfaktoren. Zu den inneren Faktoren gehören Eigenschaften und Verhaltensweisen wie z. B. Freundlichkeit und Ausgeglichenheit, aber auch Glaubenssätze, Überzeugungen und eine positive Grundeinstellung. Ausgesprochen förderlich sind positive Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, d. h. das Gefühl, mit dem eigenen Handeln etwas bewirken zu können. Als äußere Schutzfaktoren kommen unterstützende Systeme wie die Familie, enge Freunde oder die Gemeinde zum Tragen, ebenso positive Rollenvorbilder, aber auch Schulbildung und eine förderliche Arbeitskultur.

Eine wichtige Erkenntnis der Forschung lautet: Resilienz ist kein von Gott oder der Natur gegebenes Persönlichkeitsmerkmal sondern eine Strategie – und diese kann man erlernen. Dies erklärt auch, warum Resilienz mit dem Alter und den gesammelten Lebenserfahrungen wächst: Wer erinnert sich nicht an den ersten großen Liebeskummer, als man dachte, die Welt geht unter und man würde nie wieder glücklich sein. Rückblickend und mit etwas Abstand kann man den emotionalen Ausnahmezustand von damals aber oft mit einer gesunden Portion Gelassenheit betrachten.

Für die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist ist Resilienz ein wichtiges Thema. So bietet die Stiftung ihren Mitarbeitern jedes Jahr ein abwechslungsreiches Programm an internen Fortbildungsmaßnahmen. Darüber hinaus gibt es im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements Kurse, Workshops und Vorträge zu den Themen Entspannung und Umgang mit Stress. Je nach Standort können die Beschäftigten an Angeboten wie z.B. Qi Gong, Progressive Muskelrelaxation, Meditation, Yoga oder autogenem Training teilnehmen. Und wenn es doch einmal eine schwierige Situation gibt, bei der weder Kollegen noch Freunde helfen können, haben die Mitarbeiter der Stiftung die Möglichkeit, sich anonym und kostenlos an das Expertennetzwerk von www.meinEAP.de zu wenden.

Was also können Sie ganz konkret und jetzt tun, um in Zukunft besser mit den kleinen und großen Krisen des Lebens umzugehen?

  • Denken Sie positiv: Sie werden das anstehende Problem bewältigen – so wie viele andere Krisen, die Sie bereits gemeistert haben.
  • Achten Sie auf die guten Dinge im Leben: Lassen Sie Ihre Gedanken nicht ständig um den Stress im Job oder zu Hause kreisen, sondern konzentrieren Sie sich auf die vielen kleinen Erfolgserlebnisse oder Glücksmomente im Alltag, die man viel zu oft übersieht.
  • Schrauben Sie Ihre Erwartungen an sich selbst herunter: Erkennen Sie Ihre eigenen Grenzen und setzen Sie sich realistische Ziele. Und wenn Fehler oder Rückschläge passieren: Akzeptieren Sie diese als Teil des Lernprozesses.
  • Gehen Sie die Aufgaben und Probleme aktiv an: Schieben Sie lästige Dinge nicht vor sich her, sondern sehen Sie das Ganze als Herausforderung, an der Sie wachsen können.
  • Kommen Sie zur Ruhe: Gönnen Sie sich Auszeiten und Ruhephasen, in denen Sie sich nur um sich selbst kümmern.
  • Nehmen Sie Ihr Leben in die Hand: Bilden Sie sich aktiv beruflich weiter oder probieren Sie in Ihrer Freizeit etwas völlig Neues aus – sorgen Sie ganz einfach selbst dafür, dass Ihr Leben sich in die richtige Richtung entwickelt.
  • Bitten Sie um Hilfe: Sie müssen nicht jedes Problem allein bewältigen. Freunde und Kollegen sind dankbar und froh, wenn sie Ihnen helfen und eigene Erfahrungen weitergeben können.

Wie kann der Arbeitgeber zur Stärkung der Resilienz seiner Mitarbeiter beitragen?

  • Das Unternehmen achtet auf ein wertschätzendes Miteinander und einen freundlichen Umgangston.
  • Die Führungskräfte setzen realistische Ziel- und Leistungsvorgaben.
  • Vorgesetzte agieren als positives Rollenvorbild.
  • Den Mitarbeitern wird Spielraum für eigene Ideen und Entscheidungen gewährt.
  • Im Unternehmen wird eine konstruktive Fehler- und Lernkultur geschaffen.
  • Es gibt Angebote für die persönliche und fachliche Weiterbildung.
  • Der Arbeitgeber ermöglicht ausreichend Zeit für Pausen und Regeneration.

Judith Witzick

Leiterin des Betrieblichen Gesundheitsmanagements

Telefon
Fax (0 69) 76 01-3696
E-Mail witzick.judith(at)hosc(dot)de