Krankenhaus Nordwest

Hilfe bei akutem Lungenversagen – Extrakorporale-Membranoxygenierung (ECMO)

Neben COVID-19 können verschiedene schwere akute Erkrankungen – wie etwa Pneumonie, Aspiration, fulminante Sepsis oder Polytrauma – zu einem akuten Lungenversagen führen. Ein akutes Lungenversagen wird als „Akutes Respiratorisches Distress Syndrom“ (ARDS) bezeichnet. Das ARDS verursacht trotz der Möglichkeiten der modernen Intensivmedizin weiterhin eine hohe Letalität. Wenn die Sauerstoffversorgung des Körpers nicht mehr ausreicht, ist die Extrakorporale-Membranoxygenierung (ECMO) eine wertvolle Therapieoption für Patienten mit schwerem Verlauf.

ECMO

Extrakorporale-Membranoxygenierung (ECMO)
Die Medizinische Intensivstation am Krankenhaus Nordwest verfügt über alle Möglichkeiten der nicht-invasiven und differenzierten invasiven Beatmungstherapie mit ausgiebiger Erfahrung in Rescue-Therapien wie der Bauchlagerung und der transpulmonalen Bestimmung des positiven endexspiratorischen Drucks (PEEP).

Seit Anfang 2020 bietet die Medizinische Klinik mit der ECMO ein zusätzliches Lungenersatzverfahren an, das insbesondere bei einem  schweren ARDS zur Anwendung kommt. Von der Etablierung dieses speziellen, nur in wenigen Krankenhäuern angebotenen Verfahrens konnten in  der Corona-Pandemie gleich mehrere Patienten profitieren.  Die ECMO ist in der Lage, Blut mit Sauerstoff (O2) anzureichern und Kohlendioxid (CO2) zu eliminieren. Zu diesem Zweck wird das Blut in eine Membran geleitet, in der es im Gegenstromprinzip an reinem O2 vorbeifließt. So kann  das O2 physikalisch im Blut gelöst und CO2 dem Diffusionsgefälle entsprechend eliminiert werden. Für dieses Verfahren wird ein Blutfluss von 3 l/min oder mehr benötigt. Das Verfahren funktioniert wie eine externe Lunge. Bei der herkömmlichen künstlichen Beatmung mit einem Beatmungsgerät wird Sauerstoff mit Überdruck in die Lunge gepresst. Weil der Gasaustausch bei der ECMO außerhalb des Körpers erfolgt, kann sich die Lunge des Patienten besser erholen, da die Beatmung so schonender gestaltet wird. Hierdurch kann der beatmungsinduzierte Lungenschaden begrenzt und das Überleben des Patienten günstig beeinflusst werden.

Wichtig: Gut ausgebildete Intensivmediziner und Pflegekräfte
Es ist wichtig, dass dieses hochkomplexe Verfahren durch gut ausgebildete Intensivmediziner und Pflegekräfte durchgeführt wird. Daher wurden im Vorfeld das Pflegepersonal und die Mitarbeiter des ärztlichen Dienstes in mehreren Schulungen eingewiesen. Besondere Herausforderungen bestehen in der Anlage der benötigten Drainagekanülen und dem Weaning (Entwöhnung) von der ECMO. Auch dies wurde in einem Simulationszentrum umfassend geübt. Die ECMO stellt ein Therapieverfahren neben anderen in der Behandlung des schweren Lungenversagens dar. Während einerseits die Effektivität des Verfahrens in Bezug auf den Gastransfer gut belegt ist, muss andererseits ein hohes Maß an  Aufmerksamkeit auf potenziell gravierende Komplikationen gerichtet werden. Technische oder klinische Probleme können akut lebensbedrohlich  sein, sodass Erfahrung und interdisziplinäre Zusammenarbeit wesentlich sind.

Nicht jeder an einem ARDS erkrankte Patient wird eine ECMO benötigen, denn die Therapie des ARDS unterliegt einigen Therapieprinzipien, die zunächst umgesetzt werden sollten und in vielen Fällen bereits im Vorfeld zur Stabilisierung des Patienten beitragen wie die lungenprotektive Beatmung und die Bauchlagerung des betroffenen Patienten.

Erfahrung und interdisziplinäre Zusammenarbeit sind wesentlich

Aber insbesondere in dem vergangenen Corona-Jahr konnten wir mit der ECMO zwölf schwer lungenkranken Patienten eine weitere Therapieoption anbieten. Sechs Patienten, davon fünf COVID-19-Patienten, haben mit Hilfe der ECMO überlebt. Die Letalität bei ARDS beträgt ohne ECMO durchschnittlich 60 Prozent. Durch den Einsatz von ECMO-Systemen kann die Überlebensrate auf 63 bis 75 Prozent gesteigert werden.

ECMO als Option bei Herzstillstand und Reanimation
Das ECMO-System könnte zukünftig auch als vorübergehendes „Leben rettendes System“, bei dem es bei akutem Herzversagen die Herzfunktion übernimmt, im Cardiac Arrest Center (CAC) des Krankenhauses Nordwest eingesetzt werden. Damit kann auch schwer kardial erkrankten Patienten eine weitere Therapieüberbrückung angeboten werden.

Oberarzt

Daniel Wastl

Facharzt für Innere Medizin, spezielle internistische Intensivmedizin, Notfallmedizin, Weiterbildungsermächtigungen für Spezielle Internistische Intensivmedizin (24 Monate), Koordinator Johanniter Luftrettung

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