Krankenhaus Nordwest

Studienergebnisse des IKF verändern Therapiestandard bei Magen- und Speiseröhrenkrebs

Auf dem weltweit größten Krebskongress, dem Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago, hat das Institut für Klinisch-Onkologische Forschung (IKF) am Krankenhaus Nordwest erstmalig die Phase-III-Ergebnisse der FLOT4-Studie zur Behandlung von Adenokarzinomen des Magens und des gastroösophagealen Übergangs (AEG) vorgestellt. Die Daten weisen einen neuen Behandlungsstandard in der perioperativen Behandlung dieser Tumorentität auf.

von Prof. Dr. med. Salah-Eddin Al-Batran

Bei der FLOT4-Studie handelt es sich um eine multizentrische randomisierte Phase II/III-Studie. Im Rahmen der Studie wurden 716 Patienten mit lokal fortgeschrittenem, resektablem Adenokarzinom des Magens  und gastroösophagealen Übergangs (AEG) randomisiert in eine perioperative Therapie mit FLOT (5-FU, Leucovorin, Oxaliplatin und Docetaxel) beziehungsweise der bisherigen Standardtherapie ECF/ECX (Epirubicin, Cisplatin und 5-FU respektive Capecitabin) übernommen. Nach Randomisierung erfolgte die präoperative Therapie entsprechend mit vier Zyklen FLOT oder drei Zyklen ECF/ECX. Anschließend wurde nach einem Zwischenstaging die radikale Operation unter onkologischen Gesichtspunkten durchgeführt. Postoperativ erfolgte die Gabe von weiteren vier Zyklen FLOT beziehungsweise drei Zyklen ECF/ECX.

Bereits die positiven Phase-II-Daten an den ersten 300 Patienten wurden in Lancet Oncology [Al-Batran et al. Lancet Oncol. Volume 17, No. 12, p.1697–1708, December 2016] publiziert. Es zeigte sich in der Phase II bereits, dass eine perioperative Therapie mit FLOT im direkten Vergleich zur bisherigen internationalen Standardtherapie ECF/ECX bezogen auf pathologische Tumoremission eine signifikant höhere Rate an komplett- sowie subtotalen pathologischen Remissionen zeigt. Der unmittelbare Zusammenhang zwischen dem Grad der pathologischen Remission und Gesamtüberleben ist in der Literatur bereits vielfach publiziert.

Im Rahmen des Phase-III-Teils der Studie wurden deutschlandweit 716 Patienten in 38 Zentren behandelt. Die von der Deutschen Krebshilfe geförderte FLOT4-IIT-Studie (Investigator initiated trial) des IKF ist somit die größte je in Deutschland zu dieser Thematik durchgeführte Studie. Der primäre Studienendpunkt des Phase-III-Teils war Überleben (OS). Sekundäre Endpunkte beinhalteten unter anderem Progressionsfreies Überleben (PFS), den Anteil an kompletten Resektionen, alles in der ITT (Intention to treat Population). Weiterhin erfolgte die Analyse der chirurgischen Morbidität und Mortalität (surgery population) und Chemotherapie assoziierten Toxizitäten (safety population). Die Auswertung der Gesamtstudie zeigte nun, dass eine perioperative Behandlung mit dem FLOT-Schema bezogen auf den primären, aber auch auf die sekundären Endpunkte der Therapie dem ehemaligen internationalen Standard signifikant überlegen ist.

Bezogen auf das Gesamtüberleben zeigt sich eine signifikante Verbesserung des OS von 35 auf 50 Monate, was einer zehnprozentigen Verbesserung der Drei- und Fünf-Jahresüberlebensrate im Vergleich zur ehemaligen Standardtherapie entspricht. Ebenso ist das PFS signifikant (median 18 Monate vs. 30 Monate) verbessert. Auch die Rate an R0-Resektionen ist mit FLOT signifikant höher. Weder bezogen auf die operative Morbidität/Mortalität noch bezogen auf die Chemotherapie assoziierte Toxizität zeigt sich durch die FLOT-Therapie ein erhöhtes Risiko. Es ist sogar so, dass Patienten, die mit FLOT therapiert wurden, öfter den postoperativen/adjuvanten Teil der Therapie begonnen und abgeschlossen haben als mit ECF/ECX.

Auch die exemplarischen Subgruppenanalysen zeigen, dass beispielsweise der siegelringzellige Typ des Magenkarzinoms (ca. 25 Prozent der Fälle), dem zum Teil ein schlechtes Ansprechen auf Chemotherapie nachgesagt wird, deutlich von einer FLOT-Therapie profitiert. Aber auch die Subgruppe der AEG-I-Tumore, die in Deutschland häufig mit einer Strahlenchemotherapie behandelt werden, zeigen einen ausgeprägten Vorteil bezogen auf das progressionsfreie und auch Gesamtüberleben durch FLOT.

Die neuen Ergebnisse werden die Behandlungsstandards nicht allein in Deutschland, sondern weltweit verändern. Diese ermutigenden Ergebnisse veranlassten die Organisatoren der ASCO-Tagung dazu, die Zusammenfassung der FLOT4-Studienergebnisse als herausragenden „late breaking abstract“ zu würdigen und somit ihre Bedeutung als Durchbruch für die weltweite medizinisch-wissenschaftliche Gemeinschaft zu unterstreichen. Auch die europäische Gesellschaft für medizinische Onkologie (ESMO) wird die Ergebnisse im Rahmen einer Pressemitteilung würdigen. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) hat die Studie als „Best Abstract“ ausgezeichnet.

Ärztlicher Direktor

Prof. Dr. med. Salah-Eddin Al-Batran

Leitender Oberarzt

Priv.-Doz. Dr. med. Thorsten Götze

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