Stiftung Hospital zum Heiligen Geist

Die Sicherheit unserer Patienten steht immer an erster Stelle

Patientensicherheit ist ein integraler Bestandteil des Qualitäts- und Risikomanagements unserer Krankenhäuser. Welche speziellen Herausforderungen hat die Corona-Pandemie an die Patientensicherheit gestellt, und welche Rolle spielt die zunehmende Digitalisierung auch in diesem Bereich. Dies und Weiteres wollten wir von Dr. med. Petra Maksan, Verwaltungsleiterin am Krankenhaus Nordwest, und Nathalie Kalisz, Qualitäts- und Risikomanagement, wissen.

Dr. med. Petra Maksan und Nathalie Kalisz

DIE STIFTUNG:

Frau Dr. Maksan, wie sieht die Sicherheitskultur in unseren Krankenhäusern aus? Konkret gefragt, wie sicher ist es in unseren Häusern?

Dr. med. Petra Maksan: » Sehr sicher. Sowohl am Krankenhaus Nordwest als auch am Hospital zum Heiligen Geist betreiben wir seit Jahren eine Qualitätssicherung, die sehr effizient ist. Die gelebte Sicherheitskultur zeigt sich hierbei wohl am besten durch die seit 2019 in beiden Stiftungskrankenhäusern eingesetzten Patientensicherheitsbeauftragten, die die Risiken für Patienten identifizieren und konkrete Handlungsempfehlungen daraus ableiten und implementieren. Wir erfüllen damit nicht nur die Vorgaben der Patientensicherheitsverordnung, sondern kommen so auch unserer Verantwortung, für die Sicherheit der Patienten zu sorgen, noch besser nach. Wir waren übrigens in Hessen die Ersten, die Patientensicherheitsbeauftragte im Krankenhaus eingesetzt haben. «

Frau Kalisz, inwieweit liefen Prozesse der Patientensicherheit beim Ausbruch der Corona-Pandemie im Hintergrund ab?

Nathalie Kalisz: » Aufgrund unserer etablierten Prozesse konnten wir sehr schnell auf die Pandemie reagieren. Die Sicherheit unserer Patienten steht immer an erster Stelle. Die Corona-Krise stellte in den vergangenen Monaten unsere Krankenhäuser vor neue Herausforderungen. Insbesondere in der Notaufnahme. Als erste Anlaufstelle für Notfall-Patienten mit und ohne COVID-19-Erkrankung mussten zu Beginn der Pandemie innerhalb kurzer Zeit Abläufe umgestellt und neue Räume geschaffen werden, um eine strikte Trennung von Verdachtsfällen und NONCOVID- 19-Patienten zu erreichen. Unter anderem die eingeschränkte Besucherregelung und angepasste Hygieneregeln führten umgehend zur Erhöhung der Patientensicherheit, auch auf den Stationen. «

Welche aktuellen Themen stehen derzeit bezüglich Patientensicherheit an?

Dr. med. Petra Maksan: » Ein Schwerpunkt liegt ganz sicher in diversen Projekten zum Thema Digitalisierung. All diese Projekte haben zum Ziel, Prozesse patientenorientiert zu organisieren, Fehler zu vermeiden und somit den Aufenthalt in unseren Krankenhäusern noch sicherer zu machen. Ein fehlerfreier optimaler Medikationsprozess ist zum Beispiel ein wichtiges Thema. Ein anderes Beispiel ist die Anschaffung eines Operationsroboters (Anm. d. Red.: da Vinci), den wir noch im Sommer in Betrieb nehmen. Dieser verspricht bessere Ergebnisse, geringe postoperative Komplikationen, weniger Schmerzen, kürzere Krankenhausaufenthalte und weniger Bluttransfusionen. «

Wie darf man sich die Phasen, die im Qualitätsmanagement ablaufen, nachdem ein Thema als kritisch identifiziert wurde, vorstellen?

Dr. med. Petra Maksan: » Wir setzen ganz klar auf offene Kommunikation und offenen Austausch mit allen Beteiligten, um das Problem oder die kritischen Stellen im Prozess so schnell wie möglich zu identifizieren. Hilfreich sind dabei auch standardisierte Vorlagen wie beispielsweise das London Protocol, das klinische Zwischenfälle systematisch analysiert und dazu beiträgt, bestimmte Fehler zukünftig zu vermeiden. Unser Ziel ist es, Verbesserungsmaßnahmen zu entwickeln, sodass auch bei einem kritischen Prozessschritt keine Gefahr für Patienten entstehen kann. Voraussetzung dafür ist eine offene und vertrauensvolle Gesprächs- und Fehlerkultur. «
Natahlie Kalisz:
» Federführend bei der Steuerung der Prozesse ist die Abteilung Qualitäts- und Risikomanagement, die mit allen Bereichen kommuniziert, die es im jeweiligen Fall betrifft. Ganz wichtig ist es uns, den von Frau Dr. Maksan bereits angesprochenen offenen und transparenten Austausch zu fördern, aber auch aktiv einzufordern. Nur in einem gemeinschaftlichen Prozess können wir Verbesserungen initiieren, die dann zur Sicherheit führen, von der unsere Patienten profitieren. «

Wie wird die Patientensicherheit evaluiert, um darzulegen, inwieweit sich die unerwünschten Ereignisse seit Beginn der Umsetzung verschiedener Maßnahmen zur Patientensicherheit reduziert haben?

Nathalie Kalisz: » Im Qualitäts- und Risikomanagement laufen die Ergebnisse verschiedener Statistiken zusammen: Da gibt es zum einen Patientenbefragungen, Schadensfallauswertungen oder bestimmte Audits, die die Basis unserer Erhebungen bilden. Ein besonderes Augenmerk legen wir dabei auch auf die Rückmeldungen über unsere anonyme Plattform CIRS (Anm. d. Red.: Critical Incident Reporting System) und das Beschwerdemanagement. Damit identifizieren wir jährlich mehrere Schwachstellen, deren Verbesserungsprozess wir dann begleiten. «

Frau Dr. Maksan, Sie haben unsere Krankenhäuser bereits als sicher bezeichnet. Welche konkreten Zahlen liegen dieser Einschätzung zugrunde? Können Sie uns dazu etwas sagen?

Dr. med. Petra Maksan: » Unsere Häuser sind sehr sicher und diese Aussage entspricht nicht nur einer persönlichen Meinung, sondern wird durch die verschiedenen Auswertungen der Qualitätssicherung auch untermauert. Wir fragen stetig bestimmte Qualitätsindikatoren ab. Unter anderem werden hier Komplikationen oder Todesfälle erfasst. Bei der Nachverfolgung von Routineeingriffen in der Allgemeinchirurgie verzeichnen wir zum Beispiel einen beständigen Wert von 0 in allen Kategorien. Das bedeutet: keine Infektionen oder Nachblutungen in Folge eines operativen Eingriffs. Die Daten werden dauerhaft beobachtet, regelmäßig überprüft und dann an die Mediziner weitergeleitet. «

Patientensicherheit ist ein weitgefächertes Thema. Es beginnt beim Patientenidentifikationsarmband, geht über Checklisten, Arzneimitteltherapiesicherheit und Fallkonferenzen bis hin zum Patient Blood Management. Gibt es auch Grenzen?

Nathalie Kalisz: » Der Prozess ist nie zu Ende. Wir befinden uns in einem fortwährenden Anpassungs- und Verbesserungsprozess. Unser Gesundheitssystem wird immer komplexer und die Spezialisierungen in der medizinischen Versorgung steigen. All diese Veränderungen bringen immer wieder neue Herausforderungen für den Klinikalltag und auch neue Risiken für die Patienten mit sich. Wir haben uns der Verantwortung gegenüber unseren anvertrauten Patienten verschrieben und das werden wir auch weiterhin tun. «

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Das Gespräch führte Angelika Leuthäuser.

Dr. med. Petra Maksan

Verwaltungsleiterin am Krankenhaus Nordwest

Nathalie Kalisz

Qualitäts- und Risikomanagement in der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist