Hospital zum Heiligen Geist

Sicherheit und Qualität: Rückläufige Bluttransfusionsraten in der elektiven Hüft- und Knie- Endoprothetik

Der künstliche Gelenkersatz ist eine große Erfolgsgeschichte der modernen Medizin. Der Einsatz von jährlich mehr als 400.000 künstlichen Hüft- und Kniegelenken gehört zu den häufigsten Operationen, die in Deutschland durchgeführt werden. Für die Qualität der endoprothetischen Versorgung ist ein hohes Maß an Spezialisierung, Kompetenz und Erfahrung erforderlich, über welches das Hospital zum Heiligen Geist als zertifiziertes Endoprothetikzentrum verfügt.

von Dr. med. Dennis Inglis

Auch wenn in Deutschland der Einsatz von künstlichen Gelenken für Tausende schmerzgeplagte Patienten eine große Erleichterung ist, kommt es gelegentlich zu Komplikationen. Gefürchtet sind vor allem bakterielle Infektionen der Implantate. Die perioperative Anämie (Blutarmut) stellt neben kreislaufwirksamen Komplikationen einen nicht unwesentlichen Riskofaktor bei der Entstehung von Protheseninfektionen dar. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die konsequente Einhaltung höchster Hygienemaßstäbe bei der Operation. Da in der Hüft- und Knie-Endoprothetik aber grundsätzlich auch mit höheren Blutverlusten zu rechnen ist, wurden im Hospital zum Heiligen Geist Maßnahmen ergriffen, um das Auftreten einer Anämie und die damit verbundene Transfusionswahrscheinlichkeit in den Elektiveingriffen deutlich zu senken, da auch die Bluttransfusion mit Erythrozytenkonzentraten (EK) grundsätzlich ein gewisses Risiko birgt. Die Einführung des Patient Blood Management (PBM) sowie die Optimierungen der operativen Abläufe haben zu einer deutlichen Verbesserung der Sicherheit und Qualität geführt.

Patient Blood Management

Am Hospital zum Heiligen Geist wurde 2016 das PBM in enger Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Frankfurt eingeführt. Ziel des Projekts ist es, patienteneigene Blutressourcen unter Einsatz modernster Methoden und Konzepte bestmöglich aufzubauen, zu schonen und auszuschöpfen. Vor Einführung unterzogen sich die ärztlichen und pflegerischen Mitarbeiter am Hospital zum Heiligen Geist zahlreichen Fortbildungen und konkreten „Stations Teachings“. Parallel hierzu wurde eine elektronische Blutanforderungsschnittstelle zwischen dem Krankenhaus- Informationssystem (Orbis) und der Laborsoftware hergestellt.

Optimierungen der operativen Abläufe

Nachdem in der Hüft-Endoprothetik durch stete Verbesserungen der Abläufe auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse schon seit einigen Jahren eine sehr niedrige Transfusionswahrscheinlichkeit besteht, wurden in der Knie-Endoprothetik die eingesetzten blutsparenden Operationstechniken am Hospital zum Heiligen Geist weiter verfeinert. Zu den bisher verwendeten blutsparenden Operationstechniken zählt in erster Linie die Oberschenkel-Blutsperre, durch die es während der Operation zu praktisch keinem Blutverlust kommt. Aufgrund der Hypoxie des Gewebes kann es allerdings nach Öffnung der Blutsperre im Rahmen der folgenden Hyperämiephase postoperativ zu Nachblutungen kommen. Die Verwendung einer Blutsperre führt zudem zu einer gesteigerten Zellaktivität mit einer erhöhten Freisetzung von zellulären Faktoren, welche die Gerinnungskaskade sensibilisieren, was zu einer zusätzlichen, oft beobachteten Schwellungs- und Blutungsneigung führt. Zudem ist das Risiko einer Thromboseentstehung bei Verwendung einer Blutsperre erhöht.

Die Abschaffung der Oberschenkelblutsperre hat in unseren Beobachtungen zu einem Rückgang dieser Probleme geführt. Die subtile intraoperative Blutstillung schafft in diesem Zusammenhang gute
Sichtverhältnisse für sicheres Operieren. Auch zeigen einige Studien eine bessere Zementhaftung durch den Einsatz der Jet-Lavage (maschinellen Druckspülung) und verbesserter Zementiertechniken.

Der zunehmende Verzicht auf die Einlage von Wunddrainagen zeigt sich im Literaturvergleich auch sinnvoll zur Vermeidung postoperativer Transfusionen, da unter Drainageverzicht weniger Blutverlust beobachtet wird. Des weiteren tragen die teilweise medikamentös unterstützte Optimierung der Blutgerinnung sowie moderne anästhesiologische Verfahren zusätzlich zur Verringerung der perioperativen Blutungswahrscheinlichkeit bei.

In der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wirbelsäulenchirurgie mit dem Endoprothetikzentrum
(EPZ) am Hospital zum Heiligen Geist wurde die subjektiv empfundene deutlich rückläufige Transfusionshäufigkeit anhand der perioperativen und stationären Dokumentation retrospektiv für die Jahre 2014 bis 2017 ausgewertet. Bei Transfusionsraten von unter zehn Prozent in der elektiven Knie- und Hüft- Endoprothetik wird zukünftig auf die standardisierte Bereitstellung von Blutkonserven in diesem Bereich verzichtet. In der Wechselendoprothetik, wie auch bei größeren unfallchirurgischen Eingriffen, wird hingegen vorerst an der bisherigen Praxis festgehalten.

Leitender Oberarzt

Dr. med. Dennis Inglis

Facharzt Orthopädie und Unfallchirurgie, Facharzt für Chirurgie, EPZ-Koordinator, Antibiotic Stewardship

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E-Mail anastasi.carmela(at)hohg(dot)de