Krankenhaus Nordwest

Minimal invasive Therapie der Endometriose – Das neue Endometriosezentrum am Krankenhaus Nordwest

Die Erkrankung Endometriose ist charakterisiert durch das Vorkommen von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter. Sie stellt eine der häufigsten gutartigen Erkrankungen der jüngeren Frau dar. Theoretisch kann sie an allen Stellen des Körpers auftreten, überwiegend jedoch beschränken sich die Absiedelungen auf das kleine Becken – also die Region des Unterbauchs. Die Erkrankung verursacht typische Beschwerden, wie starke Menstruationsschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Missempfindungen beim Wasserlassen sowie beim Stuhlgang, und schränkt damit die Lebensqualität der betroffenen Patientinnen massiv ein.

von Priv.-Doz. Dr. med. Akin Atmaca

Endometriose betrifft etwa zehn Prozent aller Frauen und ist damit eine häufige Erkrankung. Bei Kinderwunschpatientinnen tritt sie deutlich häufiger auf (20 bis 30 Prozent der Fälle). Die ungewollte Kinderlosigkeit ist zum einen verursacht durch endometriosebedingte Verwachsungen und Fibrosierungen an den Eileitern, die zum Eileiter-Verschluss führen, der sogenannten tubaren Sterilität. Zum anderen ist bekannt, dass die Endometriose eine sterile Entzündung im Bauchraum unterhält, die sich negativ auf die Eizellqualität und damit auf das Potential der Patientin schwanger zu werden auswirkt. Die Erkrankung kann zur Sterilität führen – muss aber nicht. So sollte nicht jede positive Diagnose eine Kinderwunschbehandlung nach sich ziehen.

Die vier Manifestationsformen der Endometriose

Bauchfellendometriose:

Gebärmutterschleimhaut hat sich im
Bauchfell eingenistet

Eierstockendometriose:

Gebärmutterschleimhaut hat mit altem
Blut gefüllte Zysten in den Eierstöcken
gebildet

Adenomyose:

Gebärmutterschleimhaut ist in die Muskulatur
der Gebärmutter eingewandert

Tief infiltrierende Endometriose:

Gebärmutterschleimhaut ist außerhalb
der Gebärmutter in andere Organe
hineingewachsen z. B. Darm, Blase,
Muskulatur, Bauchdecke u.s.w.

Therapieformen

Eine Therapie der Endometriose kann medikamentös oder chirurgisch erfolgen. Medikamentöse, Therapien enthalten das Hormon Gestagen oder ein Gn-RH Analogon und können in einer herkömmlichen Anti-Baby-Pille, einer reinen Gestagenpille, einem Gestagenpräparat oder einer Gestagenspirale bestehen. Alle diese Therapien sind gleichzeitig empfängnisverhütend. Falls ein Kinderwunsch besteht oder trotz Therapie weiter Beschwerden bestehen, sollte der Patientin eine operative Therapie zugeführt werden. Eine Patientin mit Kinderwunsch und endometriosetypischen Beschwerden oder therapieresistenter Endometriose sollte sich nach der entsprechenden Diagnostik (gynäkologische Untersuchung, Ultraschall, evtl. Becken-MRT) zudem einer Bauchspiegelung unterziehen.

Operation

Das Hauptziel der Operation ist die Entfernung aller Endometriosemanifestationenin der Bauchhöhle. In Studien konnte gezeigt werden, dass eine Operation für Kinderwunschpatientinnen nachweislich die Wahrscheinlichkeit erhöht, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Die Voraussetzung dafür ist die Durchgängigkeit der Eileiter, die bei allen Kinderwunschpatientinnen bei der Operation überprüft werden sollte. Sollten die Eileiter verschlossen sein, muss sich die Frau einer mikrochirurgischen Operation der Eileiter oder einer künstlichen Befruchtung (IVF) unterziehen. Die Vorstellung in einem Kinderwunschzentrum ist dann sinnvoll, wenn nach ein bis zwei Jahren die gewünschte Schwangerschaft noch nicht eingetreten ist. Da die Erkrankung chronisch rezidivierend auftritt, sollte nach erfolgter Operation eine Kinderwunschbehandlung zügig und unter besonderer Berücksichtigung der Diagnose erfolgen. Patientinnen ohne aktuellen Kinderwunsch sollten nach der Operation eine medikamentöse Therapie (beispielsweise eine Pille im Langzyklus) erhalten, da ansonsten leider häufig Rückfälle auftreten.

Tief infiltrierende Endometriose und Adenomyose

Ein besonderes Problem stellt die sogenannte tief infiltrierende Endometriose dar. Meist bestehen sehr schmerzhafte Knoten zwischen Scheide und Darm, direkt am Darm oder den Harnleitern. Hier sind häufig ausgedehnte Operationen notwendig, da eine medikamentöse Therapie meist unbefriedigend wirkt und bei ausgeprägten Beschwerden meist ein dringender Therapiewunsch besteht. Endometriosezysten reagieren nicht auf eine hormonelle Therapie und sollten bei entsprechender Größe und bei Beschwerden laparoskopisch entfernt werden.

Adenomyose (Endometriose in der Gebärmuttermuskulatur) kann bei abgeschlossenem Kinderwunsch mit einer Entfernung der Gebärmutter behandelt werden. Wenn ein gebärmuttererhaltendes Vorgehen gewünscht wird, können auch lediglich die betroffenen Areale der Gebärmuttermuskelschicht laparoskopisch entfernt werden.

Das Endometriosezentrum am Krankenhaus Nordwest bietet das gesamte Spektrum der operativen Endometriosetherapie an. Bei ausgedehnten Eingriffen bei tief infiltrierender Endometriose arbeiten wir interdisziplinär mit den Kollegen aus der chirurgischen und der urologischen Abteilung zusammen.

Endometriosezentrum am Krankenhaus Nordwest

Um der Komplexität der Endometrioseerkrankung Rechnung zu tragen, wurde am Krankenhaus Nordwest ein interdisziplinäres Endometriosezentrum ins Leben gerufen. Alle in die Behandlung involvierten Fachdisziplinen, die Abteilungen für Gynäkologie, Viszeralchirurgie und Urologie sowie ein Kinderwunschzentrum, arbeiten eng vernetzt im Endometriosezentrum zusammen, um für die individuelle Patientin eine optimale Behandlung zu gewährleisten. In der Ambulanz der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe wurde eine Endometriose-Sprechstunde eingerichtet, an die sich betroff ene Frauen zur eingehenden Untersuchung und Festlegung eines therapeutischen Konzepts wenden können.

Prof. Dr. med. Engel
Chefarzt

Prof. Dr. med. Jörg B. Engel

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Schwerpunkte Gynäkologische Onkologie, Perinatalmedizin, Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Senior Mamma-Operateur, MIC II

Sektionsleiter

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Rudolf Tinneberg

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, MIC III, Schwerpunkte Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Weiterbildung Spezielle Operative Gynäkologie