Krankenhaus Nordwest

Brustkrebs-Diagnostik mittels 3D-Ultraschall

Die Brust-Diagnostik stellt eine interdisziplinäre, komplexe Aufgabe dar. Das Ziel ist die erfolgreiche Entdeckung immer kleinerer Brustkrebse und Vermeidung unnötiger Operationen bei gutartigen Befunden. Grundsätzlich besteht die Brust-Diagnostik aus drei Säulen: der Mammografie, dem Ultraschall und der Kernspintomografie (MRT). Darunter finden sich spezielle Modalitäten wie Tomosynthese, 3D-Sonografie, Doppler- Ultraschall oder Elastografie. Beim Einsatz der jeweiligen Methoden unterscheidet man zwischen der Früherkennung und einer symptomorientierten Diagnostik. Eine qualifizierte, gezielte Indikationsstellung für die entsprechende Untersuchung beeinflusst maßgeblich den Werdegang einer Brustkrebspatientin.

von Dr. med. Anna Oberstein

Brustdichte

Während die Mammografie bei asymptomatischen Frauen als „Goldstandard“ gilt, erfordert eine effektive Abklärung der Symptome, wie Schmerzen, Verhärtungen oder Brustknoten, den Einsatz anderer diagnostischer Maßnahmen. Dies kommt insbesondere bei einer sogenannten „dichten Brust“ zum Tragen. Der Anteil des Drüsenparenchyms im Verhältnis zum Fettgewebe in der Brust stellt ein besonders relevantes Merkmal dar. Unterteilt in vier Kategorien (ACR I-IV, respective A-D, ACR=American College of Radiology), bedeutet die ACR-Kategorie III-IV (C und D) eine drüsenreiche, dichte Brust. Dieses Muster findet man insgesamt bei 62 Prozent aller Frauen. Mit der steigenden Brustdichte sinkt die Sensitivität der Mammografie deutlich. Der Anteil der in der Mammografie übersehenen Tumoren in den ACR-III-Brüsten beträgt 35,5 Prozent, in der ACR-IV-Gruppe sogar 52
Prozent.

Stellenwert des hochauflösenden Ultraschalls

Nicht nur im Bereich der Krebs-Detektion in der dichten Brust oder bei Abklärung von Symptomen ist der Brust-Ultraschall ein fest etabliertes Verfahren. In der präoperativen Diagnostik ist die Mamma- Sonografie in Bezug auf Tumorausdehnung, Lokalisation und Lymphknotenstatus (Staging) unerlässlich. Minimal invasive histologische Sicherung mittels Stanzbiopsie erfolgt fast immer unter sonografischer Steuerung.

Als eine beliebig wiederholbare, nebenwirkungsfreie Methode wird die Sonografie routinemäßig in der Nachsorge sowie in der individualisierten, risikoorientierten Vorsorge, zum Beispiel bei familiärer Brustkrebs-Belastung, eingesetzt. Die Wertigkeit des Brust-Ultraschalls im Vergleich zu anderen diagnostischen Verfahren wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersucht. Zusätzlich zur Mammografie eingesetzt erhöht der Ultraschall die Entdeckungsrate der Karzinome auf 97,7 Prozent. In den S3-Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) ist Ultraschall als Methode zur Aufklärung auffälliger Befunde und zur Diagnose-Sicherung
mit Empfehlungsgrad A versehen. In den Experten-Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) 2018 ist der Einsatz des Ultraschalls als Ergänzung zu Mammografie bei dichtem Parenchym bei einem erhöhten Erkrankungsrisiko oder zur Abklärung mammografisch auffälliger Läsionen mit zwei Plus (++) als hochwertige Untersuchung anerkannt.

Brust-Ultraschall für Fortgeschrittene

Hochauflösende 2D-Sonografie, welche mit hochfrequenten Sonden arbeitet, ermöglicht die Detektion von nur wenigen Millimetern messenden Veränderungen inder Brust. Bei diesen kleinen Tumoren aber auch bei Knoten aller Größenordnung gilt es zu unterscheiden, ob es sich um eine gut- oder eine bösartige Raumforderung handelt. Eine solche Beurteilung erfolgt durch Analyse sogenannter Dignitätskriterien.

Die Aussage der konventionellen 2D-Sonografie ist in dieser Hinsicht häufig limitiert. Mit dem 3D-Brust-Ultraschall steht uns eine moderne Methode zur Verfügung, die geeignet ist, diese Lücke in Befundung der Brustknoten zu schließen. Weitere Verfahren wie Elastografie oder Doppler- Ultraschall, bei denen die Durchblutungsmuster des Tumors darstellt werden, tragen zu der richtigen Diagnose bei.

Was macht den 3D-Brust-Ultraschall besonders wertvoll für die Diagnostik?
Während im konventionellen Ultraschall immer nur ein Bild erscheint, wird in der 3D-Sonografie mit Hilfe eines speziellen Schallkopfs ein kompletter Volumenblock mit dem zu untersuchenden Befund aufgenommen, betrachtet und im „postprocessing“ bearbeitet. Auf dem Bildschirm erscheint zuerst die multiplanare Darstellung einer Struktur, in der gleichzeitig drei senkrecht zu einander stehende Ebenen sowie ein 3D-Oberflächenbild zu sehen sind. Die dritte Ebene (C-Plane, coronare Ebene) zeigt wie eine Raumforderung „von vorne“ aussieht und wie sie mit dem umliegenden Gewebe korrespondiert. Diese C-Ebene ist in der herkömmlichen Sonografie nicht verfügbar. Sie liefert wichtige Informationen, zum Beispiel ob ein Tumor ein infiltrierendes Wachstum aufweist.

Diese Eigenschaft wurde in einer eigenen Studie (Merz, E., Oberstein, A., 2006) untersucht, in der 180 Brusttumoren analysiert wurden. Es zeigten sich drei Wachstumsmuster: ein Retraktions-, Kompressions-, oder indifferentes Muster. Für das maligne (bösartige) Wachstum ist das Retraktionsmuster typisch (91 Prozent). Der Tumor wächst sternartig in das Gewebe hinein und verursacht eine besondere Reaktion, die nur in der 3D-Sonografie zu sehen ist. Sieht man aufgrund des verdrängenden Wachstums ein Kompressionsmuster, so ist in 100 Prozent der Fälle von einem gutartigen Knoten auszugehen.

Es besteht die Möglichkeit, im Rahmen der 3D-Sonografie zahlreiche zusätzliche Modi zu nutzen, um eine Raumforderung zu analysieren. Eine davon ist das Tomographic Ultrasound Imaging (TUI). Es erlaubt eine gleichzeitige Darstellung von neun parallelen Schnittebenen auf dem Monitor. Ein komplexer Tumor oder eine Zyste mit wandsändigen Strukturen kann damit Schicht für Schicht, wie in der Computertomografie in beliebig dicken „Scheiben“, virtuell aufgearbeitet werden.

Die 3D-Farbdoppler-Sonografie ermöglicht uns, die Gefäß-Versorgung des Tumors räumlich darzustellen. Auch hier zeigen sich typische 3D-Vaskularisationsmuster, die eine Einordnung in die Kategorien „eher gutartig“ oder „eher bösartig“ erleichtern. Ein essentieller Aspekt der Brust-Diagnostik besteht in einer präoperativen histologischen (feingeweblichen) Sicherung eines auffälligen Befunds. Im Rahmen der minimal invasiven Diagnostik wird eine Stanzbiopsie durchgeführt. Diese erfolgt in unserer Klinik unter 3D-Steuerung. Die Möglichkeit, sowohl die Biopsienadel wie auch den Tumor gleichzeitig in drei Ebenen zu sehen, erhöht selbst bei sehr kleinen Knoten die Treffsicherheit auf 100 Prozent. Für die Therapieplanung ist dies unerlässlich.

Über die Sektion Sonografische Diagnostik am Krankenhaus Nordwest

Die Oberärztin Dr. med. Anna Oberstein leitet die Sektion Sonografische Diagnostik in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Sie bietet Patientinnen eine langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der gesamten gynäkologischen und vorgeburtlichen 3D-/4D-Diagnostik. Dr. Oberstein verfügt über die DEGUM Stufe II sowohl in der Brust- als auch in der Pränataldiagnostik. Diese Qualifikation wird von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) regelmäßig zertifiziert und garantiert in Verbindung mit den hochauflösenden Ultraschallgeräten der neuesten Generation eine exakte Diagnosestellung – selbst in den schwierigsten Fällen. Um eine erfolgreiche Behandlung einzuleiten, diese durchzuführen oder zu begleiten, wird großer Wert auf die enge Zusammenarbeit der Sektion mit dem für die Patientin zuständigen Frauenarzt gelegt.

Über die Sektion Sonografische Diagnostik am Krankenhaus Nordwest

Die Oberärztin Dr. med. Anna Oberstein leitet die Sektion Sonografi sche Diagnostik in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Sie bietet Patientinnen eine langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der gesamten gynäkologischen und vorgeburtlichen 3D-/4D-Diagnostik. Dr. Oberstein verfügt über die DEGUM Stufe II sowohl in der Brust- als auch in der Pränataldiagnostik. Diese Qualifi kation wird von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) regelmäßig zertifiziert und garantiert in Verbindung mit den hochaufl ösenden Ultraschallgeräten der neuesten Generation eine exakte Diagnosestellung – selbst in den schwierigsten Fällen. Um eine erfolgreiche Behandlung einzuleiten,
diese durchzuführen oder zu begleiten, wird großer Wert auf die enge Zusammenarbeit der Sektion mit dem für die Patientin zuständigen Frauenarzt gelegt.

Sektionsleiterin

Dr. med. Anna Oberstein

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Koordinatorin des Brustzentrums, DEGUM II (Pränatal- und Mammasonografie), Brust- und Pränatalsprechstunde

Telefon
Fax (069) 7601 - 3622
E-Mail borth.lena(at)khnw(dot)de