Stiftung Hospital zum Heiligen Geist

Rückblick auf 750 Jahre Geschichte

750 Jahre Hospital zum Heiligen Geist – eine beachtliche Zeitspanne, über die sich diese einstmals aus einem spirituell geprägten Zeitgeist heraus gegründete Institution bis in die Gegenwart erhalten hat – heute allerdings ganz weltlich. Sie hat unzählige existenzbedrohende Ereignisse in der wechselvollen deutschen Geschichte überstanden: Pestepidemien, Wirtschaftskrisen, Kriege, Revolutionen. Das ist insbesondere Menschen zu verdanken, die die Geschicke der Stiftung stets umsichtig und maßvoll gelenkt haben. Dazu gehörte auch die Bereitschaft, sich den Erfordernissen der Zeit anzupassen und Fortschritt zu wagen.

Neuer Hyprid-OP am Krankenhaus Nordwest

Von der Gründung bis zur Reformation

Die vermutlich auf 1208 zu datierende Gründung des Hospitals zum Heiligen Geist fiel in eine der bedeutendsten Epochen der Frankfurter Geschichte: die Zeit der Staufer. Die Stadt wurde erweitert, sie wuchs und gedieh. Zugleich war es die Zeit der Kreuzzüge und eine Epoche, in der das individuelle Seelenheil und das persönliche Schicksal angesichts der Endlichkeit der Welt für die Menschen eine große Rolle spielten. Ablesbar ist diese Grundstimmung an vielen Texten der Zeit, an einer gesteigerten Naherwartung des Jüngsten Tages – und an frommen Stiftungen.

Die Stiftung des Hospitals zum Heiligen Geist wuchs in diesem geistigen und kommunalen Umfeld rasch. Der erste urkundliche Nachweis datiert auf das Jahr 1267. Schon wenige Jahre später wird das Spital geistlich und weltlich verwaltet; ein Hinweis auf die zugleich kommunale und spirituelle Funktion der Anstalt. Bis 1287 ist die erste Hospitalkirche errichtet, zwischen Saalgasse, Metzgergasse und Mainufer. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts wird die Stiftung des Hospitals zu einer kirchlich selbstständigen Institution mit eigener Kapelle, Krankenhalle und Begräbnisstätte.

Im Laufe des Spätmittelalters wächst die Stiftung weiter. Der Rat der Stadt über- nimmt die Kontrolle über die Finanzen und verwaltet die Liegenschaften, bis 1360 geht die Stiftung komplett in die kommunale Verwaltung über. Seit 1381 sind die Frankfurter Stadtärzte zur unentgeltlichen Behandlung der Kranken im Hospital verpflichtet. Mitte des 15. Jahrhunderts werden die Hospitalkirche mit Krankenhalle, Pfründnerhaus, Wirtschaftsgebäuden, Brunnen und Backstube im spätgotischen Stil neu errichtet und das Hospital insgesamt erweitert: 1463 um eine Siechenkammer, 1465 folgen Zimmer für Schwerkranke, Trakte für Geisteskranke (1477) und für erkrankte Gefangene (1488). Im selben Jahr werden zwei Gefängnisse gebaut, 1495 ein Raum für erkrankte Frauen und 1511 eine Badestube. Damit reagiert man auf aktuelle Anforderungen und nimmt neue Methoden in der Behandlung und Prävention mit auf.

Von der Reformation bis in das 19. Jahrhundert

Frankfurt steht in der Epoche der Reformation vor der Aufgabe, seine Funktion als Krönungsort der Kaiser und als kaiserlich privilegierte Messestadt nicht zu verlieren. Das sicherte die Stadt in ihrem Wohlstand und in ihrer wirtschaftlichen Existenz schlechthin. Dieses Ziel war mit der (zumindest inoffiziell) reformerischen und lutherischen Mehrheit im Patriziat in Einklang zu bringen.

Seit etwa 1530 betreuen lutherische Ratsmitglieder auch das Pflegamt der Stiftung. Das Hospital ist die stationäre Kranken- und Versorgungsanstalt für Fremde in Frankfurt. Es dient als Krankenhaus, Entbindungsstation, Waisenhaus, Alten- und Pflegeheim, Anstalt für geistig Behinderte, Fremdenherberge, Gefängnis und Pestilenzhaus. 1561 entsteht das erste Pflege- und Altenheim, das allen Schichten offensteht, wenngleich zu verschiedenen Bedingungen. Während die reichen Insassen hier gegen gutes Geld eine separate Stube erhalten, haben die armen Pfründner ein allgemeines Lager, und sie müssen für ihre Versorgung im Hospital arbeiten. Dennoch bedeutete die nunmehr gesicherte Versorgung einen großen sozialen Fortschritt.

Im 17. Jahrhundert reagiert die Einrichtung auf die Herausforderungen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), die Pestepidemie von 1635 und den Zustrom an bedürftigen Fremden, Soldaten, wandernden Handwerksgesellen, Mädchen und Kindern und baut bis 1638 allein fünf weitere Krankenstuben. In diesem Jahr- hundert entwickelt sich aus den städtischen Ärzten, die am Hospital arbeiten, der festangestellte Hospitalarzt. Mit der städtischen Verwaltung, dem angestellten Arzt und der Etablierung eines eigenen Sys- tems in der Altenpflege sind wesentliche organisatorische Grundpfeiler errichtet. 1810/1811 entfällt schließlich die Bindung des Pflegamtes (das ist die Verwaltungsspitze) an die lutherische Konfession.

Das 19. Jahrhundert und die neue Klinik in der Lange Straße

In diesem Jahrhundert bahnt sich viel Neues seinen Weg, das bis heute Gültigkeit hat. Dazu zählt die Chirurgie, die aus dem Status einer rein praktischen Hilfstätigkeit heraustritt und ein eigenes medizinisches Fachgebiet wird. 1845 wird mit Dr. med. Friedrich Wilhelm Fabricius (1810-1872) der erste akademisch ausgebildete Chirurg im Hospital zum Heiligen Geist angestellt. Dazu zählen aber auch der neue Klinikbau in der Lange Straße (in nur vier Jahren, 1835-1838, errichtet) sowie die Veräußerung des alten Hospitalgrundstücks einschließlich der Hospitalkirche und Krankenhalle und der Abriss der alten Gebäude, gegen den Protest der Bevölkerung. Das neue Hospital zählt zu den modernsten Krankenhäusern seiner Zeit.

Die gesellschaftliche Ordnung, der Wegfall konfessioneller und rechtlicher Schranken und der soziale Fortschritt machen vor der Klinik nicht halt. 1867 erhalten mit dem sogenannten Freizügigkeitsgesetz für den Norddeutschen Bund alle Einwohner Frankfurts das Recht, im Hospital aufgenommen zu werden. Mit der Einführung des staatlichen Versicherungszwangs im Jahr 1883 erlischt zugleich die Pflicht der Stiftung, Behandlungen gratis anzubieten. Die Aufnahmebedingungen am Hospital zum Heiligen Geist entsprechen nun denen anderer städtischer Kliniken.

Von 1900 bis zur Jahrtausendwende

Die Expansion der staatlichen Fürsorge und eine weitere Modernisierung der Medizin stellen auch den Betrieb von Krankenhäusern und das Berufsbild der Krankenpflege auf neue Grundlagen. Das Hospital zum Heiligen Geist richtet 1910 das „Zentral-Röntgen-Laboratorium“ für diagnostische und therapeutische Zwecke ein, gründet 1962 eine Schule für Krankenpflege („Agnes-Karll-Schule“) und erweitert kontinuierlich ihr Engagement im Bereich der Altenpflege. Es entstehen die Seniorenstifte Hohenwald (gegründet 1902, 140 Pflegeplätze) und Kronthal (gegründet 1925, 96 Pflegeplätze).

Diese Beispiele zeigen das Spektrum, in dem die Stiftung sich engagiert. Daneben reagiert die städtische Krankenfürsorge auf die historischen Ereignisse. Während des Ersten Weltkrieges (1914-1918) stellt das Hospital 154 Betten für verwundete Soldaten zur Verfügung, im Zweiten Weltkrieg wird das Hospital als Lazarett genutzt, bis die Gebäude bei Fliegerangriffen 1944 zu großen Teilen zerstört werden.

Nach Kriegsende bleibt die Stiftung als selbstständige Institution des öffentlichen Rechts erhalten, das Hospital in der Lange Straße wird wieder aufgebaut. 1957 wird der erste Vertrag geschlossen, aus dem schließlich das Krankenhaus Nordwest hervorgehen wird. Es eröffnet 1963 ein Meilenstein in der Geschichte der Stiftung. 1962 hatte man übrigens mit dem Bau der benachbarten Nordweststadt begonnen, die 1968 fertiggestellt wurde. Das Krankenhaus Nordwest liegt an der Schnittstelle zwischen Praunheim, der Römerstadt (1920er-Jahre) und der (neuen) Nordweststadt.

Die Stiftung in der Gegenwart

Das Krankenhaus Nordwest eröffnet als sogenanntes „Haus der Schwerpunktversorgung“ mit 604 Betten und ist von Beginn an mit einem guten Ruf und einer hohen Reputation ausgestattet – unter anderem als akademisches Lehrkrankenhaus der Goethe-Universität. Beide Krankenhäuser der Stiftung werden kontinuierlich modernisiert und maßvoll erweitert. Im Jahr 2001 gründet die Stiftung ein Hotel und das Kommunikationszentrum am Krankenhaus Nordwest. Die zentralen Versorgungsbereiche werden 1998 in die Hospital Service & Catering GmbH verlagert. Wenige Jahre später, 2004, werden die beiden Krankenhäuser der Stiftung in gemeinnützige GmbHs umgewandelt. Als jüngste Zweige der Familie entstehen das Fachärztezentrum Frankfurt (GmbH) – mit sieben Medizinischen Versorgungszentren in Frankfurt und Hanau – und 2014 schließlich das TRIAMEDIS Gesundheitszentrum, in dem Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie, Reha-Sport und Gesundheitstraining zusammengefasst sind. Die Angebote unter dem Dach der Stiftung spiegeln das gegenwärtige Spektrum der Pflege- und Gesundheitsdienste in einer Großstadt.

Die Stiftung stellt sich der Gegenwart und sie greift die aktuellen Debatten im Bereich der Krankenhausfinanzierung und auch ethische Fragen, die mit dem medizinischen Fortschritt einhergehen, aktiv auf und trägt zur Meinungsbildung in der Öffentlichkeit bei. Die lange Geschichte der Stiftung hat gezeigt: Die äußeren Bedingungen wandeln sich, die Aufgabe bleibt.

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